Kurt - Der Wirt

neuland

Die Welt ist krank, einfältig und krank.

Seit Jahren leben Kaspar der Bäcker und ich der Wirt allein hier in dem niedergebrannten Dorf. Froher lebten hier auch noch Johann mit seiner Frau Marta hier, aber das ist lange her. Johann hat seiner Marta einen Kräutertee gegen ihre Rückenschmerzen gebraut. Am nächsten Morgen war sie tot. Das hat der arme Kerl wohl nicht verkraftet. Hat sich aufgehängt der Tropf.
Mit Kaspar verbindet mich eine lose Freundschaft. Er kommt mit Brot vorbei und trinkt dann meinen Selbstgebrannten. Aus den Brotresten braue ich uns Bier.
Ein schönes ruhiges Leben und niemand nervt uns. Von Pavel dem Fürsten haben wir schon ewig nichts mehr gehört. Keine Ahnung ob der alte Knacker überhaupt noch lebt.

 

Und dann passiert es auf einmal. Irgendwelche zerlumpten Gestalten haben scheinbar von unserem ruhigen Fleckchen Erde gehört und erdreisten sich unsere Ruhe zu stören.

 

Mit Sack und Pack - eine durchgeknallte Adlige haben sie auch im Gepäck - fangen sie mitten in der Nacht Zelte auf zu schlagen. Und Kaspar, der Trottel backt denen auch noch Brot. Gemüse hatten sie dabei, also kochte ich ihnen eine Suppe. Bin ja kein Unmensch.

Ziemlich ungewöhnlich war der Haufen. Ein Bettler, ein einfältiges Bauernpärchen, eine Schneiderin, ein zerlumpter Krieger und ein Priester, der ständig von Seefahrt faselte. Aber die Krönung war diese Gräfin, von der niemand weis, ob sie denn tatsächlich eine ist. So ein Dokument, mit dem sie ständig rum wedeltete, kann sich doch jeder zusammenbasteln.

 

Mit Kaspar habe ich dann auch gleich gewettet, wie lange der Haufen durchhält. Ich sage zwei Tage, Kaspar gibt ihnen drei. Drei ist definitiv zu lang.

Ich hab dann noch einen Krug Bier geleert und mich schlafen gelegt.

 

Am nächsten Morgen war das erste was ich sah der verwirrte Priester. Offenkundig hat er die ganze Nacht am Feuer gesessen.
Nach und nach tauchten die Neuankömmlinge auf. Kaspar hat denen doch tatsächlich mit Käse gefüllte Brötchen gebacken.
So kann man eine Wette auch verlieren.
 

Und dann passiert das unglaubliche, die Ankömmlinge fangen tatsächlich an, mein friedliches Dorf wieder auf zu bauen.
Eine nächtens noch angekommene Zimmermannsfrau beginnt Häuser zu reparieren. Der Krieger zieht aus zum Jagen und schießt doch tatsächlich gleich zwei geflügelte Hörnerhasen.
Magd und Knecht pflücken die goldenen Kartoffeln von den Bäumen. Der BNettler wurde von Kaspar gekapert und ist jetzt Bäckerlehrling.
Die wollen tatsächlich hier bleiben.

 

Am Nachmittag hält die Gräfin - so sie denn wirklich eine ist - "Hofrat". Wie ich mitbekommen habe, wurde von denen das Dorf Güldenheim genannt.
Wahrscheinlich wegen der Kartoffeln. Ich sag ja, einfältig. Weis doch jeder, das goldene Kartoffeln an Bäumen wachsen.

 

Genauso einfältig sind die vBauern. Ich habe ihnen Mören, Kartoffeln, ein Brötchen und zwei stengel Rauchkraut zum pflanzen gegeben. Sie haben das Zeug tatsächlich eingebuddelt.

 

In den nächsten Wochern wollen sie allen ernstes das Dorf wieder auf bauen.
Egal, ich wandere erstmal über den Winter zu meinem Großneffen. Die Wette haben wir offensichtlich verloren.